{"id":14,"date":"2017-06-30T15:47:40","date_gmt":"2017-06-30T22:47:40","guid":{"rendered":"http:\/\/nlp-inbewegung.com\/?page_id=14"},"modified":"2020-05-04T12:17:26","modified_gmt":"2020-05-04T10:17:26","slug":"menschenbild","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/aheyer.de\/?page_id=14","title":{"rendered":"Menschenbild"},"content":{"rendered":"<h2>Was uns einschr\u00e4nkt<\/h2>\n<p>\u2026 und wie wir lernen, damit umzugehen. Ein systemischer Blick auf Ambivalenzen, Zielkonflikte und Restriktionen.<\/p>\n<p>Von Anita Heyer<\/p>\n<p>In meinen Ausbildungsseminaren zeige ich regelm\u00e4\u00dfig ein Video, in dem Dr. Gunther Schmidt mit einer Klientin arbeitet, die das Ziel hat, die Heilpraktiker-Pr\u00fcfung zu machen,und nicht in die G\u00e4nge kommt. Wenn ich dann erz\u00e4hle, dass die Klientin NLP-Trainerin ist, werde ich h\u00e4ufig gefragt: \u201eWie kann das sein, dass die NLP macht und ihr Ziel nicht erreicht?\u201c<br \/>\nAnfangs war ich fassungslos und dachte nur: \u201eSind die verr\u00fcckt, glauben die, wir NLP-Trainer w\u00e4ren immun gegen das Leben?\u201c Bisweilen scheinen Menschen zu glauben, dass bei NLP-Anwendern Krankheit weniger t\u00f6dlich und Liebeskummer weniger schmerzhaft ist und dass deren Familien in immer w\u00e4hrender Harmonie leben. Weit gefehlt.<br \/>\nDas, was ich im Leben mit \u201eRestriktionen\u201c bezeichne, wird im Buddhismus als die acht weltlichen Geschehnisse benannt, die unser Menschsein begleiten, die da w\u00e4ren:<br \/>\n\u2022 Gl\u00fcck \u2013Ungl\u00fcck<br \/>\n\u2022 Gewinn \u2013 Verlust<br \/>\n\u2022 Ruhm \u2013 Verleumdung<br \/>\n\u2022 Lob \u2013 Tadel<br \/>\nAuch wenn NLP bisweilen den Glauben n\u00e4hrt, dass wir uns nur auf der \u201elinken\u201c Seite bewegen, scheint es mir eher so, dass wir im Umgang mit der \u201erechten\u201c Seite (den Restriktionen) durch NLP das lernen k\u00f6nnen, was Rudolf Nurejew einmal \u00fcber das Ballett gesagt hat: \u201eEs wird nie leicht. Es wird lediglich m\u00f6glich.\u201c<br \/>\nSo geschah es einer Familie, deren Kind erkrankte. Die \u00c4rzte diagnostizierten, dass es sich um eine unheilbare, chronische Krankheit handelt, die jedoch mit Medikamenten behandelbar ist. Der Jugendliche erhielt hohe Dosen von Kortison, nahm zw\u00f6lf Kilo ab, bekam w\u00e4hrend der Abi-Pr\u00fcfung einen Schw\u00e4cheanfall, so dass man beschloss, dass er das Schuljahr wiederholen sollte. Da keine Besserung eintrat, empfahl der behandelnde Arzt einen Therapeuten aufzusuchen.<br \/>\nSo wurde ich gebeten, mit einem Jugendlichen zu arbeiten, der sagte: \u201eZur Therapie gehen doch nur Bekloppte, und wenn ich das mache dann denken alle, ich h\u00e4tte mir die Krankheit nur eingebildet.\u201c Ich n\u00e4herte mich mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht, indem ich ihm erz\u00e4hlte, wie ich mit meinen erwachsenen Klienten arbeite: \u201eWei\u00dft du, wenn zum Beispiel jemand zu mir kommt und sagt, er sei depressiv, dann sage ich ihm, dass sei er doch nicht als ganzer Mensch. Ich w\u00fcrde ihm doch nicht gerecht werden, wenn ich sagte, er w\u00e4re immer so. Es sei doch lediglich so, dass das nur eine Seite von ihm w\u00e4re, die sich ab und an so zeige. Und er habe noch viele andere Seiten, die sich ganz anders zeigen.\u201c<br \/>\nUnd dann erkl\u00e4rte ich meinem jugendlichen Klienten, dass diese Art das Symptom zu beschreiben immer eine erleichternde Wirkung habe und falls er sich entschlie\u00dfe, mit mir zu arbeiten, dann w\u00fcrde ich mit ihm genau so vorgehen. Ich w\u00fcrde ihm anbieten, mit ihm ebenso von dieser Seite zu sprechen, die die Krankheitssymptome zeige. Und dass es da noch eine andere Seite gebe, die stinksauer auf diese Seite ist, weil sie ihm das Abitur vermasselt hat und zurZeit daf\u00fcr sorgt, dass er abends mit seinen Eltern auf der Couch sitzt, statt mit seinen Freunden auszugehen.<br \/>\nDer Junge war ganz angetan von diesem Gedanken-Modell und ich hatte meinen Auftrag!<br \/>\nWir etablierten dann, dass er der Trainer einer Mannschaft sei und er sich zurzeit intensiv um zwei Spieler zu k\u00fcmmern habe. Der eine sei Mannschaftsf\u00fchrer, stark und zielstrebig, und der andere zeige Krankheitssymptome und k\u00f6nne gerade nicht so, wie er wolle. Ihm als Trainer komme die Aufgabe zu, achtungsvoll mit den Bed\u00fcrfnissen aller Spieler umzugehen, damit zum Saisonauftakt alle wieder dabei seien. Allerdings bleibe zu ber\u00fccksichtigen, dass keiner wisse, wann die Saisonwieder losgehe, denn das ganze System brauche seine Zeit.<br \/>\nDie Spieler erhielten dann Namen: Karl, der kranke, der die Symptome zeigte und Stephan, der starke. Wir f\u00fchrten dann noch eine Skala ein, die beschrieb, wie belastend von 0 \u2013 10 die Symptome waren, und \u00fcberlegten gemeinsam, was hilfreiche Aktionen sein k\u00f6nnten, um die Belastung zu verringern. Mein Klient verstand, dass er als Trainer und Coach die Verantwortung f\u00fcr seine Spieler hat, dass er die steuernde Instanz f\u00fcr das Miteinander aller ist und es ihm obliegt, wie er den Umgang mit diesen Seiten, deren unterschiedlichen Zielen und somit den Zielkonflikten gestaltet.<br \/>\nVon da an informierte er mich \u00fcber die Konflikte, die Karl und Stephan miteinander austrugen, und in die er steuernd eingriff. Ich unterst\u00fctzte ihn im Umgang mit all seinen Ambivalenzen Karl gegen\u00fcber, denn es war klar, dass Karl derjenige war, der unbedingt mit ins Boot musste. Und so gelang es meinem Klienten mehr und mehr, nicht in einseitige Koalition mit Stephan zu gehen, sondern beide Seiten gleicherma\u00dfen zu sch\u00e4tzen und Sorge zu tragen, dass sie all ihre Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem erreichten mich regelm\u00e4\u00dfige Skalen-Berichte \u00fcber die Symptome, die mich mal ersch\u00fctterten, mal ber\u00fchrten und dann auch wieder freuten. Die \u00e4rztliche Behandlung hat mittlerweile Erfolg gezeigt und vor einigen Wochen erreichte mich die SMS: \u201eF\u00fchrerscheinpr\u00fcfung bestanden!\u201c<br \/>\nLetztlich l\u00e4sst sich Erfolg an unserem Umgang mit Entt\u00e4uschungen messen. Immer wieder. Auch wenn es bisweilen so scheinen will, als h\u00e4tten andere eine gute Fee, die gerne \u00dcberstunden macht, w\u00e4hrend unsere eigene vorzeitig in Rente gegangen ist. Leben ist das, was ist, und das ist nicht immer das, was wir uns w\u00fcnschen, doch unser\u201eErleben\u201c ist das, was wir t\u00e4tig gestalten k\u00f6nnen.<br \/>\nIm Umgang mit Restriktionen, wie Ungl\u00fcck und Verlust, k\u00f6nnen wir Beschreibungen w\u00e4hlen, die das Erleben erleichtern, oder wir k\u00f6nnen es so machen, wie Wendell Berry es so treffend formulierte: \u201eWir bestimmen unsere Vergangenheit selbst. Wir k\u00f6nnen danach streben ihr zu entfliehen oder dem, was an ihr schlecht war. Aber wir entkommen ihr nur, wenn wir ihr etwas Besseres hinzuf\u00fcgen.\u201c<\/p>\n<p>Anita Heyer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was uns einschr\u00e4nkt \u2026 und wie wir lernen, damit umzugehen. Ein systemischer Blick auf Ambivalenzen, Zielkonflikte und Restriktionen. 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